Die internationalen und nationalen Fachgesellschaften haben sich übereinstimmend darauf geeinigt die Fettlebererkrankungen neu zu benennen.
Mehr als 70 Fachgesellschaften und über 260 Experten aus 56 Ländern haben sich weltweit mit der neuen Namensgebung der Fettlebererkrankungen befasst. Zukünftig soll nur noch diese verwendet und die bisherigen Bezeichnungen nicht mehr angewendet werden, so dass auch wir die bisherigen Bezeichnungen nach und nach an die neuen Begriffe anpassen und diese sukzessive in unsere Unterlagen und Materialien einbinden werden.
Im Zuge dieser Änderungen wird aus NAFLD beispielsweise MASLD.
Warum werden diese Änderungen durchgeführt?
Der Hintergrund, die bisherigen Begrifflichkeiten zu ändern, besteht darin, dass die bisher verwendeten Bezeichnungen als unpräzise, nicht patientenzentriert und auch stigmatisierend angesehen wurden.
Sowohl Fachärzte (Hepatologen) als auch Patienten machen bereits seit vielen Jahren darauf aufmerksam, dass sie mit den bisherigen Bezeichnungen unzufrieden sind.
Die Kritik geht insbesondere gegen die Verwendung der bisherigen Bezeichnung der „nicht-alkoholischen Fettlebererkrankung“ (kurz NAFLD). Sie ist darauf zurückzuführen, dass dieses Erkrankungsbild nicht durch Alkohol, sondern aufgrund von Parametern des metabolischen Syndroms bedingt wird, wie Übergewicht, Typ-2-Diabetes mellitus, Bluthochdruck oder erhöhte Blutfette. Trotzdem wird „Alkohol“ im Namen benannt. Trotz der in den Namen eingebundenen Verneinung wird darin die Möglichkeit einer Stigmatisierung gesehen.
Ein weiterer Grund für die Umbenennung besteht darin, dass die bisher verwendeten Begrifflichkeiten bestimmte Formen der Fettlebererkrankungen nicht eindeutig bezeichnen. Nach einem jahrelangen Austausch unter den Experten wurden nun neue Fachbegriffe definiert, die präziser, differenzierter, patientenzentrierter, mit Bezug zu der zugrundeliegenden Ursache und Diagnose und nicht stigmatisierend sind. Die Begriffe wurden in englischer sowie in deutscher Sprache benannt.
Wie heißt jetzt was?
Geprägt wurde der übergeordnete Begriff: Steatotic liver disease (SLD), im deutschsprachigen: steatotische Lebererkrankung. Dieser Oberbegriff wurde benannt, um die unterschiedlichen Ursachen, die Ätiologie, der Fettleber zu erfassen und abzubilden. Diese Bezeichnung schließt alle Fettlebererkrankungen unabhängig von den zugrundeliegenden Ursachen ein.
Für die weiteren, der Steatotic liver disease untergeordneten Erkrankungen, gibt es nun Bezeichnungen, die die zugrundeliegenden Ursachen mit einbeziehen. Dazu gehört, ob die Erkrankung auf den Stoffwechsel bzw. die Parameter des metabolischen Syndroms oder auf einen zu hohen Alkoholkonsum oder eine Kombination aus beiden zurückzuführen ist.
| Bisherige Bezeichnung | Neue Bezeichnung |
| Non-alcoholic fatty liver disease, d. h. Nicht-alkoholische Fettlebererkrankung (kurz: NAFLD) | Metabolic dysfunction-associated steatotic liver disease (kurz: MASLD) Diagnosekriterien: Bei Bestehen einer Steatose (Fettleber) und gleichzeitigem Bestehen mindestens eines der fünf kardiometabolischen Risikofaktoren: Übergewicht, (Prä-)Diabetes, Bluthochdruck, erhöhte Triglyzeride, niedriges HDL-Cholesterin Deutsche Bezeichnung: Metabolische Dysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung |
| Non-alcoholic steatohepatitis, d. h. nicht-alkoholische Fettleberhepatitis (kurz: NASH) | Metabolic dysfunction-associated steatohepatitis (kurz: MASH) Deutsche Bezeichnung: Metabolische Dysfunktion-assoziierte Steatohepatitis |
| Alcoholic liver disease, d. h. alkoholassoziierte Lebererkrankung | Alcohol-associated (-related) liver disease (kurz: ALD) Alkoholkonsum > 50 g (Frauen), > 60 g (Männer) Alkohol/Tag Deutsche Bezeichnung: Alkohol-assoziierte Lebererkrankung |
| Neue Bezeichnungen und Diagnosen | |
| Metabolic dysfunction-associated alcoholic liver disease (kurz: MetALD) Deutsche Bezeichnung: Metabolische Dysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung mit erhöhtem Alkoholkonsum | Dieser Begriff wird verwendet, wenn sowohl eine MASLD und damit Faktoren des metabolischen Syndroms sowie ein erhöhter Alkoholkonsum (Frauen: 140-350 g/Woche [20-50 g/Tag], Männer: 210-420 g/Woche [30-60 g/Tag]) zugrunde liegen. MetALD, MASLD prädominant: moderat erhöhter Alkoholkonsum: ≥ 10 g (Frauen), ≥ 20 g (Männer) bis < 40 g Alkohol /Tag MetALD, ALD prädominant: erhöhter Alkoholkonsum: ≥ 40 g bis ≤ 50 g (Frauen), ≤ 60 g (Männer) Alkohol /Tag |
| Cryptogenic SLD Deutsche Bezeichnung: Kryptogene steatotische Lebererkrankung (Fettlebererkrankung unbekannter Ursache) | Dieser Begriff kommt zur Anwendung, wenn keine bekannten Ursachen zugrunde liegen, d. h. kein Alkoholkonsum, keine metabolischen Faktoren oder andere bekannten Ursachen |
